Kurz gesagt: Wenn Händler sich über die Gebühren beim Stadtgutschein beschweren, liegt das selten an der Gebühr selbst. Meist bringt ihnen der Gutschein zu wenig Umsatz und Sichtbarkeit, und genau das ist auch der häufigste Grund, warum ein Stadtgutschein kaum genutzt wird. Helfen kann die Stadt an zwei Stellen: die Hürden für Händler senken und den Gutschein so bekannt machen, dass Händler, Arbeitgeber und Bürger ihn kennen.
Dieser Beitrag richtet sich an Stadtmarketing, Citymanagement und Gewerbevereine, deren Stadtgutschein schon läuft, aber nicht so, wie sie es sich vorgestellt haben. Das gilt genauso für City-Gutscheine, Regionalgutscheine oder digitale Gutscheinkarten einer Stadt. Viele Städte, die zu Simpli wechseln, kommen genau mit diesen Problemen zu uns. Aus dieser Erfahrung beschreiben wir, woran es typischerweise hakt und was dagegen hilft.
Warum beschweren sich Händler über die Gebühren beim Stadtgutschein?
Weil jede zusätzliche Gebühr wehtut. Händler zahlen schon für EC-Geräte und Kartenzahlungen, und gerade kleine Betriebe rechnen genau. Kommt dann noch eine Gebühr für den Stadtgutschein dazu, fällt sie auf.
Entscheidend ist aber, wofür der Händler zahlt. Ein Händler steigt aus, wenn er das Gefühl hat, dass der Gutschein ihm nichts bringt: Er hat Kosten, aber keine zusätzlichen Kunden, keinen zusätzlichen Umsatz und keine Sichtbarkeit. Bringt der Gutschein dagegen spürbar Umsatz in den Laden, wird über die Gebühr kaum noch gesprochen.
Eine Beschwerde über Gebühren ist deshalb oft ein Hinweis auf ein anderes Problem: Der Gutschein wird zu wenig gekauft.
Woraus setzen sich die Gebühren für Händler zusammen?
Die Gebührenmodelle unterscheiden sich je nach System und Stadt stark. Wer die Beschwerden seiner Händler verstehen will, sollte zuerst prüfen, welche Kosten bei ihnen tatsächlich anfallen:
- Gebühr pro Einlösung: ein Prozentsatz vom eingelösten Betrag. Sie fällt nur an, wenn tatsächlich Umsatz über den Gutschein kommt. Üblich sind etwa 2 bis 3 Prozent.
- Einmalige Anbindungsgebühr: für die Einrichtung beim Start.
- Laufende Grundgebühren: monatliche oder jährliche Beträge, die unabhängig vom Umsatz fällig werden.
- Vertragslaufzeit: Muss sich der Händler für ein oder mehrere Jahre binden, oder kann er monatlich kündigen?
- Aufschläge vor Ort: Manche Betreiber legen auf die Gebühr des Anbieters noch etwas auf oder setzen eine Mitgliedschaft im Gewerbeverein voraus.
Nach unserer Erfahrung zählen für Händler vor allem zwei Dinge: dass sie sich nicht lange binden müssen, und dass keine laufenden Kosten anfallen, solange kein Gutschein bei ihnen eingelöst wird. Ein Modell ohne Grundgebühren, bei dem nach der Einrichtung nur dann Gebühren entstehen, wenn der Händler auch Umsatz macht, nimmt viel Druck aus der Diskussion.
Was kann die Stadt tun, wenn Händler die Gebühren zu hoch finden?
Die Stadt hat zwei Stellschrauben: die Kosten und den Nutzen.
Kosten senken oder übernehmen
Viele Städte übernehmen einen Teil der Gebühren, vor allem am Anfang. Zum Beispiel zahlen sie die Anbindungsgebühr für die ersten 50 Händler oder übernehmen im ersten Jahr die Transaktionskosten. So können sich die Händler ohne Risiko mit dem System vertraut machen, und die Hemmschwelle zum Mitmachen sinkt.
Die Startkosten sind aber meist nicht das eigentliche Problem. Viel häufiger befürchten Händler, dass zusätzliche Arbeit auf sie zukommt und das Einlösen an der Kasse kompliziert ist. Hier helfen eine einfache Einrichtung, Erklärvideos für Mitarbeitende und ein Ansprechpartner, der bei Fragen erreichbar ist.
Den Nutzen zeigen
Am meisten überzeugt Händler, wenn sie sehen, dass die Stadt selbst etwas für den Gutschein tut: Sie macht ihn bekannt, startet eine Werbeaktion und stellt die teilnehmenden Betriebe dabei vor. Davon profitieren alle Partner gemeinsam.
Dabei hilft ein Vergleich. Viele Händler denken bei Sichtbarkeit an eine Anzeige in der Lokalzeitung. Wenn Händler im Dezember eine Anzeige auf der Titelseite der Lokalzeitung schalten, kostet sie das für einen einzigen Tag 600 bis 900 Euro. Die einmalige Anbindungsgebühr für den digitalen Stadtgutschein von Simpli liegt bei 100 bis 120 Euro. Dafür ist der Betrieb dauerhaft in der App und auf der Webseite des Stadtgutscheins sichtbar und wird in allen Werbeaktionen mitbeworben.
Arbeitgeber gewinnen
Das stärkste Argument für Händler sind Arbeitgeber, die den Stadtgutschein an ihre Mitarbeitenden ausgeben. Für Arbeitgeber ist das attraktiv, weil sie den Gutschein als steuerfreien Sachbezug ausgeben können, aktuell bis zu 50 Euro pro Monat und Person. Ein Rechenbeispiel: Ein Unternehmen mit 100 Mitarbeitenden lädt jedem monatlich 35 Euro auf. Das sind 42.000 Euro im Jahr, die im lokalen Handel eingelöst werden müssen und sonst vielleicht nie dort angekommen wären. Je mehr Arbeitgeber mitmachen, desto sicherer weiß ein Händler, dass ein fester Betrag im Umlauf ist, und desto eher will er dabei sein.
Warum wird ein Stadtgutschein kaum genutzt?
Meist sind es mehrere Gründe, die sich gegenseitig verstärken.
Es ist ein Henne-Ei-Problem:
- Zu wenige Händler: Gibt es nur wenige Akzeptanzstellen, ist der Gutschein für Bürgerinnen und Bürger nicht attraktiv.
- Keine Werbung: Selbst mit vielen Händlern wird der Gutschein kaum gekauft, wenn die Stadt ihn nicht bewirbt. Dann kennt ihn niemand.
- Händler sehen keinen Sinn: Wenn der Gutschein nicht sichtbar ist, fragen sich Händler, warum sie mitmachen sollen. Neue Partner kommen nicht dazu, bestehende springen ab.
- Keine Arbeitgeber: Ohne Arbeitgeber fehlt ein verlässlicher Umsatz über das ganze Jahr, nicht nur zu Weihnachten.
Es gibt deshalb nicht die eine Maßnahme, mit der man anfängt und auf der alles andere aufbaut. Händler, Bekanntheit und Arbeitgeber hängen voneinander ab. Wer nur an einer Stelle dreht, kommt nicht weit. Ein Stadtgutschein funktioniert, wenn alle drei Bereiche gleichzeitig angegangen werden.
Woran erkennt man früh, dass der Stadtgutschein nicht läuft?
Diese Anzeichen sollten Städte ernst nehmen:
- Viele teilnehmende Händler hatten noch keine einzige Einlösung.
- Es werden kaum Gutscheine online gekauft.
- Insgesamt gibt es wenige Transaktionen.
- Händler beschweren sich immer wieder.
Damit man diese Anzeichen rechtzeitig sieht, braucht die Stadt einen dauerhaften Überblick über die Zahlen. Hilfreich ist zum Beispiel zu wissen, bei welchen Händlern viel eingelöst wird und wo es stagniert. Dann kann die Stadt gezielt nachfragen: Ihr hattet bisher keine Einlösungen, woran liegt das? Noch besser ist es, wenn der Anbieter dabei berät, was sich bei schwachen Zahlen tun lässt. Bei Simpli zeigt das Reporting der Stadt laufend, wie sich die Umsatzzahlen entwickeln, und wir beraten, mit welchen Maßnahmen sich gegensteuern lässt.
Wie belebt man einen eingeschlafenen Stadtgutschein wieder?
Der wichtigste Grundsatz: Jeder in der Stadt sollte schon einmal vom Stadtgutschein gehört haben, vor allem Händler und Arbeitgeber. Wenn ein Betrieb bewusst entscheidet, nicht mitzumachen, ist das in Ordnung. Ein Problem ist es, wenn er auf die Frage „Kennen Sie den Stadtgutschein?“ gar nicht weiß, wovon die Rede ist. Mitmachen oder nicht mitmachen sollte immer eine bewusste Entscheidung sein.
So erreicht die Stadt die drei Gruppen:
Händler
- Die wichtigsten Betriebe, auf die andere schauen, persönlich besuchen.
- Alle anderen zu einem gemeinsamen Termin vor Ort einladen, per Anruf, E-Mail und Einladung. Wichtig ist, dass der Raum voll ist. Nach einem gut besuchten Termin kommen oft schon in den Tagen danach die ersten 30 Anmeldungen.
Arbeitgeber
- Größere Arbeitgeber einzeln und über längere Zeit ansprechen. Das braucht Geduld.
- Ein Schreiben der Bürgermeisterin oder des Bürgermeisters öffnet viele Türen.
- Präsenz zeigen, zum Beispiel mit einem Stand beim Unternehmerfrühstück oder bei Veranstaltungen der Wirtschaftsförderung.
Bürgerinnen und Bürger
- Eine Kampagne in den sozialen Medien, am besten auch mit bezahlter Werbung.
- Eine Postwurfsendung an alle Haushalte, vor allem beim Start oder Neustart.
- Material in den Läden, also Aufsteller, Aufkleber und Flyer an der Kasse.
- Die Händler selbst: Jeder kennt die Frage an der Kasse „Sammeln Sie Payback-Punkte?“. Genauso kann jeder Händler fragen: „Haben Sie die Bonuskarte unserer Stadt?“. Das kostet nichts und wirkt jeden Tag.
Ein Neustart für die Händler
Wenn ein Gutschein länger vor sich hindümpelt und die Händler unzufrieden sind, hilft oft ein bewusster neuer Aufschlag. In mehreren Städten hat Simpli dafür gemeinsam mit der Stadt einen Händler-Workshop gemacht, neue Funktionen vorgestellt und die Händler wieder für das Projekt gewonnen. Parallel hat die Stadt angefangen, den Gutschein aktiv zu bewerben. Händler müssen spüren, dass die Stadt etwas für sie tut und dass der Gutschein ihnen etwas bringt. Dann machen sie auch wieder mit.
Liegt es am Marketing oder am System?
Nicht jedes Problem lässt sich mit mehr Werbung lösen. Ein Wechsel des Anbieters ist sinnvoll, wenn der Stadtgutschein teuer ist und dauerhaft viel Personal bindet. Typische Anzeichen:
- Die Abrechnung kostet die Stadt oder den Gewerbeverein viel Zeit.
- Die Technik macht immer wieder Probleme.
- Fragen von Händlern und Kunden landen bei der Stadt, weil der Anbieter keinen eigenen Support leistet.
Wer die Schwächen eines Systems dauerhaft mit eigenen Arbeitsstunden ausgleicht, hat kein Marketingproblem. Dann ist ein Wechsel langfristig die bessere Lösung. Wie das abläuft und worauf man achten muss, beschreiben wir im Beitrag Stadtgutschein-Anbieter wechseln.
Wie Simpli Städte unterstützt
Bei Simpli gibt es für Händler keine Vertragslaufzeit, sie können monatlich kündigen. Laufende Grundgebühren gibt es nicht. Einmalig kostet die Anbindung 100 bis 120 Euro, danach entstehen Gebühren erst, wenn bei einem Händler tatsächlich Guthaben eingelöst wird. Die Stadt oder der Gewerbeverein kann die Konditionen für die teilnehmenden Betriebe selbst festlegen.
Wir kommen für den Händler-Termin vor Ort, betreuen die Händler persönlich über unsere Partnerverwaltung und geben der Stadt mit dem Reporting einen laufenden Überblick, wo der Gutschein gut läuft und wo nachgesteuert werden sollte.
Häufige Fragen
Unsere Händler beschweren sich über die Gebühren beim Stadtgutschein. Was können wir tun?
Zuerst prüfen, welche Kosten genau anfallen und ob der Gutschein den Händlern genug Umsatz bringt. Die Stadt kann Gebühren am Anfang übernehmen, etwa für die ersten 50 Händler oder das erste Jahr. Am meisten wirkt aber, den Gutschein aktiv zu bewerben und Arbeitgeber zu gewinnen.
Welche Gebühren sind beim Stadtgutschein für Händler üblich?
Üblich ist eine Gebühr pro Einlösung von etwa 2 bis 3 Prozent, je nach Anbieter kommen eine Anbindungsgebühr und laufende Grundgebühren dazu. Bei Simpli gibt es keine Grundgebühr und keine Vertragslaufzeit, die Anbindung kostet einmalig 100 bis 120 Euro.
Warum wird unser Stadtgutschein kaum genutzt?
Meist kommen mehrere Gründe zusammen: zu wenige Händler, zu wenig Werbung und keine Arbeitgeber. Diese Bereiche hängen voneinander ab und sollten gleichzeitig angegangen werden.
Woran erkenne ich, dass unser Stadtgutschein nicht gut läuft?
An vielen Händlern ohne Einlösungen, wenigen Online-Käufen, insgesamt wenigen Transaktionen und häufigen Beschwerden von Händlern.
Wie viel Umsatz bringen Arbeitgeber in den lokalen Handel?
Ein Beispiel: Ein Unternehmen mit 100 Mitarbeitenden, das jedem monatlich 35 Euro auflädt, bringt 42.000 Euro im Jahr in den Handel vor Ort.
Wie bekommen wir mehr Händler dazu, mitzumachen?
Die wichtigsten Betriebe persönlich ansprechen, alle anderen zu einem gemeinsamen Termin einladen und zeigen, was die Stadt für die Bekanntheit des Gutscheins tut.
Wann sollten wir den Anbieter wechseln?
Wenn der Gutschein teuer ist und die Stadt dauerhaft viel eigene Arbeit in Abrechnung, Technik oder Support stecken muss.
Autorin: Johanna Weirauch, Head of Marketing & Product Development bei Simpli. Sie begleitet Städte und Gewerbevereine bei der Einführung und beim Wechsel digitaler Stadtgutscheine.
Stand: November 2026




